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Weleda Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2013

21Reportage Es gibt diese Tage, an denen sich Christa Strobel für eine Stunde im Labor zurückzieht. Mit einer grossen Porzellan- schale, in die sie weissen Milchzucker füllt. Und eine viel kleinere Menge davon, versetzt mit winzigen, unsichtbaren Spuren von Gold. Behutsam und zugleich entschieden be- ginnt sie, die beiden Substanzen in kreisenden Bewegungen mit einem grossen Mörser miteinander zu vermischen. Nach zwanzig und vierzig Minuten fügt sie jeweils noch einmal Milchzucker hinzu. «Bei dieser meditativen Tätigkeit muss ich in Ruhe sein. Denken, Fühlen und Wollen sind nur auf das Arznei- mittel gerichtet», sagt die Abteilungsleiterin für Verrei- bungen und Tablettenherstellung bei der Weleda AG im süddeutschen Schwäbisch Gmünd: «Das ist wichtig, denn diese eine Stunde widme ich ganz den Patienten.» Men- schen, die unter nervöser Erschöpfung und anderen Stress- symptomen leiden und für die das Unternehmen seit mehr als einem halben Jahrhundert Neurodoron herstellt. Die­innere­Haltung­zählt Damit das Medikament seine Wirksamkeit ideal entfalten kann, eignen sich für die sogenannte Handverreibung eben keine Tage, an denen Christa Strobel oder ihre Mitarbei- terinnen sich über etwas geärgert haben oder sich unkon- zentriert fühlen. Naturwissenschaftlich messbar ist der Unterschied später nicht. Für die anthroposophische Medizin jedoch ist mit dem Urprinzip des Potenzierens – der Verdünnung in Zehnerschritten – die innere Haltung untrennbar verbunden. So auch, wenn unter den Händen der gelernten pharmazeutisch-technischen Assistentin und leidenschaftlichen Gärtnerin eine D4-Potenz von Aurum metallicum praeparatum entsteht – eine Dezimal- potenz mit nur einem Zehntausendstel Anteil Gold. Und der Prozess setzt sich weiter fort, denn die fertige Tablette enthält sogar bloss noch eine D10. Und doch kommt dem Edelmetall in Neurodoron die gleiche Bedeutung zu wie dem Herz im menschlichen Körper und der Sonne in unserem Planetensystem: Es gibt den Rhythmus vor. Es ist die Mitte, um die sich alles dreht. Weltweit­einmalig:­Metallspiegel Schon die Ausgangsmenge verblüfft: «In einem Jahr verar- beiten wir für Neurodoron nur etwa ein Gramm Gold», sagt Dr. Wolfram Engel, Apotheker und Leiter der Herstellung Mineralienverarbeitung. Das hat einen guten Grund: Das edelste aller Metalle verfügt über die faszinierende Eigen- schaft, sich hauchzart ausdehnen zu lassen. Ein Gramm Gold, das ergibt einen rund zwei Kilometer langen Draht. Bei der Weleda AG macht man sich diese Qualität bei der weltweit einmaligen Herstellung von Metallspiegeln zunutze: Dafür reinigen Engels Mitarbeiter das Gold zunächst im Labor in einer Lösung von begleitenden Silber- und Kupferanteilen. In einem Quarzglaskolben, einer Sonderanfertigung, wird es anschliessend so stark erhitzt, dass es sich bei 1063 Grad zunächst verflüssigt und bei rund 1400 Grad – verschwindet. Scheinbar, denn für einen kleinen Moment wird die Substanz gasförmig, ehe sie sich weiter oben, an einem zweiten, wesentlich kühleren Rohr, als dünne, glänzende Schicht niederschlägt – dem Metall- spiegel. Vorsichtig abgetragen und dreimal potenziert, er- hält ihn Christa Strobel als Aurum metallicum praeparatum D3 in ihrem Labor schräg gegenüber auf dem Firmen- gelände. Rezeptur­von­Rudolf­Steiner Ein aufwendiger Prozess, dabei ist Gold nur einer von drei Bestandteilen bei der Produktion eines äusserst kom- plexen Arzneimittels. Und das ist edel, hilfreich und gut: Neben Gold gehört eine Verbindung der Mineralstoffe KaliumundPhosphordazu,sowieFerrum-Quarz, entstanden aus Eisen (als Ferrum sulfuricum) und Quarz, der natürlichen Form der Kieselsäure. Jedes Drittel für sich ist bereits Medizin. Rudolf Steiner selbst schuf die Grundlage dafür, als er auf einem Notizblatt die Rezeptur für Ferrum-Quarz niederschrieb. Der Begründer der Anthroposophie war Philosoph und im Herzen auch Mediziner: Ferrum-Quarz, das in der Schweiz heute Biodoron heisst, lindert migräne- artige Kopfschmerzen. 1921 gründete Steiner gemein- sam mit Ita Wegman, einer Ärztin, im schweizerischen «Denken, Fühlen und Wollen sind nur auf das Arzneimittel gerichtet.»

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