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Weleda Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2013

22 Reportage Arlesheim ein Laboratorium zur Herstellung anthroposo- phischer Medikamente. Dafür machte er – überzeugt davon, dass zur Heilung eine spirituelle Dimension gehört – präzise Angaben: Ausgangsstoffe sollten natürlichen Ursprungs sein, sensible Wandlungsprozesse durchlaufen und sich ausserdem zu neuen Kompositionen verbinden, um so die Selbstheilungskräfte im Menschen anzuregen. Das inspirierte auch den Dresdner Arzt Kurt Magerstädt, der in den Fünfzigerjahren Ferrum-Quarz erst- mals mit Kalium phosphoricum und potenziertem Gold kombinierte. Was er als Kalium phosphoricum comp. ver- schrieb, heisst seit einigen Jahren Neurodoron. An der ein- maligen Zusammensetzung dieses «Geschenks für die Nerven» – das griechische «doron» bedeutet Gabe – hat sich seither aber nichts geändert. Bei der deutschen Weleda Niederlassung östlich von Stuttgart wacht deshalb heute auch der Apotheker Dr. Wolfram Engel darüber, dass die Ausgangsstoffe weiterhin von höchster Güte und wo immer möglich ohne technisch geprägte «Biografie» sind. Das Gold? Darf kein Beute- oder Zahngold sein, sondern nur Wasch- oder Berggold von vertrauenswürdi- gen Sammlern. Das Kalium? Aus Weinstein, bevorzugt aus Demeter-Weinanbau. Phosphor? Aus dem Kalk von Demeter- Rinderknochen. Der Quarz? Kommt tief aus brasilianischer Erde. Und das Ferrum sulfuricum? Lässt der Mineralien- experte in seiner Abteilung selbst herstellen, insgesamt 150 bis 200 Kilogramm im Jahr: «Wir wollen schliesslich kein Ferrum sulfuricum mit Eisen, das womöglich schon als Mittelklassewagen herumgefahren ist», erläutert Dr. Engel. Quarz aus brasilianischer Erde Stattdessen gewinnt er es aus naturbelassenem Siderit, das aus Bergwerken in Tunesien und den USA stammt: Zwei braungrüne Steine – einer durchscheinend-glänzend, der andere matt und wie geschichtete, geriffelte Blättchen – lagern zur Anschauung im grossen Vitrinenschrank gleich rechts in seinem Büro hinter Glas, neben Andalusit aus dem Böhmerwald, himmelblauem Topas und sogar einem kalifornischen Goldnugget. Und dann ist da noch ein hell- gelbes Mineral, mit einem Stich ins Giftige: Schwefel, wie man ihn selten im Alltag sieht. Als Schmuckstein wäre er allerdings auch völlig ungeeignet: «Dafür ist er zu weich», so Wolfram Engel, «er brennt und riecht.» Durchdringend nach faulen Eiern. Vollkommen geruchlos hingegen ist Schwefelsäure, aber sehr effektiv, um aus Sideritpulver Eisen herauszu- lösen und sich damit zu verbinden. Die bräunliche Flüssig- keit sprudelt auf, sobald sie in Kohlensäure und Ferrum sulfuricum zerfällt. Und nun braucht es Geduld: Die trübe Lösung muss drei Monate stehen und sich setzen, ehe sie Frisch aus der Tablettenpresse: Die Qualität wird halbstündlich im Prozess überprüft.

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